Ein Jahr später – der Geburtsbericht

Mein Geburtsbericht – oft wurde ich danach gefragt, lange habe ich gezögert, einfach weil ich mir nicht sicher war, wie weit ich hier, im Internet, mit solch privaten Details gehen sollte. Jetzt, ein Jahr später, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es zwar keinen sehr ausführlichen Bericht geben wird, jedoch eine angemessene Zusammenfassung. Einfach weil meine beiden Geburten so verschieden waren wie Tag und Nacht: Die erste nach Übertragen, mit Einleitung, die wahrlich keine schöne Geburt war; und die zweite so ganz anders. Ich hoffe mit diesem Text anderen Mamas, denen es vielleicht genau so geht wie mir, die vielleicht auch ein kleines bisschen traumatsiert sind von der Geburt des ersten Kindes, die Angst etwas nehmen zu können – genau darum schreibe ich meine zweite Geburt nun hier nieder.

Nachdem ich bei Maxi, wie bereits erwähnt, übertragen hatte und eingeleitet wurde, war alles, was ich beim zweiten Mal wollte, eine natürliche Geburt ohne Einleitung und vor allem bitte vor dem ET. Im Nachhinein betrachtet vielleicht etwas albern so viel Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Tag zu richten, aber, wie man in hochschwanger eben ist – von Hormonen getrieben ungeduldig bis zum geht nicht mehr – war mir das einfach unglaublich wichtig.

Ab der 36. Woche besuchte ich darum zwei Mal die Woche meine Heilpraktikerin, die TCM-Therapeutin ist und mich dementsprechend geburtsvorbereitend akupunktierte. Bei meinem letzten Frauenarzttermin vor dem ET, der 38+0 angestanden hatte, war wie immer alles unauffällig gewesen – keine einzige Wehe auf dem CTG, der Muttermund fest und zu. Ich machte mir darum kaum Hoffnung, dass es früher losgehen könnte, zumal es mir blendend ging, einzig der Druck nach unten nahm von Tag zu Tag zu. Am Montag, den 6. März  (39+4), hatte ich darum noch einen komplett vollgepackten Tag. Morgens ging ich mit Maxi zur Maniküre, danach erledigten wir den Großeinkauf und kochten zu Mittag Omelette. Am Nachmittag war ich mit einer Freundin auf dem Spielplatz verabredet.

Alles war wie immer, nur mein unterer Rücken machte sich an diesem Tag durch ein gelegentlich schwach auftretendes Ziehen bemerkbar, was mir selbst jedoch gar nicht so sehr auffiel, hatte ich doch noch nie erlebt wie sich Wehen langsam ankündigen. Bei Maxi war ich direkt nach der Einleitung von einem so brutalen Wehansturm überrascht worden, dass ich „normale“ Wehen gar nicht kennenlernen durfte.

Am Nachmittag auf dem Spielplatz also machte ich mir kaum Gedanken darüber, erst meine Freundin, die ihren Sohn ohne Einleitung geboren hatte, brachte mich auf die Idee, dass dieses leichte Ziehen tatsächlich die ersten Wehen sein könnten.

Gegen 18 Uhr verabschiedete sie sich bei mir mit den Worten: „Ich würde mal die Zeit zwischen dem Ziehen stoppen“, was ich daraufhin tatsächlich das erste Mal tat. Während ich also Maxi sein Abendessen fütterte, kamen in super unregelmäßigen Abständen von drei bis 15 Minuten immer wieder leichte Wehen. Da das Ziehen jedoch so gut auszuhalten war, machte ich erst einmal weiter wie gehabt, brachte Maxi ins Bett und kochte ein Abendessen für meinen Mann und mich. Als dieser dann gegen 20 Uhr nach Hause kam, sagte ich ihm zwar, dass ich glaubte eventuell leichte Wehen zu haben, aber sicher war ich mir keineswegs. Wir aßen erst einmal zu Abend, wobei ich noch einmal die Abstände des Ziehens stoppte: mittlerweile waren die Wehen regelmäßiger geworden, im Schnitt sieben bis acht Minuten lagen dazwischen.

Aus meiner ersten Schwangerschaft wusste ich noch, dass man Erstgebärenden rät, ab zirka acht Minuten ins Krankenhaus zu fahren. Da ich die Wehen jedoch als so schwach und überhaupt nicht schmerzhaft empfand, beschlossen wir erst einmal eine Runde „White Collar“, unsere damalige Serie, zu schauen. Ich stoppte wieder die Wehenabstände, die sich drastisch auf drei bis fünf Minuten reduzierten, jedoch ohne, dass ich bisher irgendeinen Schmerz gespürt hatte. Trotzdem schlug mein Mann vor seine Mutter anzurufen, die in Bereitschaft war, um Maxi zu übernehmen. Da ich auf keinen Fall einen Fehlalarm auslösen wollte, sagte ich ihm, ich wolle noch eine Stunde damit warten, und ging ins Bad, um mich abzuschminken und meine Zähne zu putzen. Das war um 21.35 Uhr.

Ich war schon abgeschminkt und putze gerade meine Zähne, als mich eine brutale Wehe wie ein Schwert in den Rücken traf. Als ich mich von ihr erholt hatte, stürmte ich sofort ins Wohnzimmer und rief meinem Mann zu, dass er meine Schwiegermutter jetzt anrufen solle, damit sie sofort kommt. Da war es 21.40 Uhr. Obwohl sich die Oma sofort auf den Weg machte und bereits kurz nach 22 Uhr bei uns eintraf, kamen mir diese 20 Minuten vor wie eine Ewigkeit. Sofort als sie den schlafenden Maxi in ihre Obhut genommen hatte, eilten wir in die Frauenklinik. Im Treppenhaus, auf dem Parkplatz, im Auto, auf dem Weg zur Klinik, an der Anmeldung, im Aufzug – überall hatte ich heftigste Wehen in kürzesten Abständen.

In der Klinik angekommen, wurde mir sofort ein CTG angelegt. Im liegenden Zustand konnte ich die Wehen kaum ertragen und so war ich überglücklich, dass die Hebamme bereits nach wenigen Minuten beschloß genug gesehen zu haben, um mich in den Kreißsaal zu verlegen. Noch heute kann ich mich genau daran erinnern, wie sympathisch mir diese junge Frau gleich im ersten Moment war – wir duzten uns sofort, was ich als sehr angenehm empfand, sie fragte mich nach meinen Wünschen und ging sehr auf uns ein. Ich war trotz starker Wehen, die in Abständen von weniger als zwei Minuten über mich hereinbrachen, sehr positiv gestimmt. Der erste Check des Muttermundes holte mich dann jedoch ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – ein Zentimeter und das nach einem halben Tag Wehen.

Ich werde jetzt nicht detailliert beschreiben, wann der Muttermund wie weit geöffnet war – nur so viel, die Hebamme war selbst erstaunt, wie langsam es trotz heftigster Wehen vor sich ging. Sie führte das auf mein sehr festes Gewebe zurück, an sich ein Vorteil, in diesem Fall allerdings eher ein Nachteil. Wir versuchten es mit der Wanne und mit Lachgas, eine sehr „lustige“ Erfahrung, wenn man das so nennen will. Allerdings wurde mir vom Lachgas, das anfangs relativ gut gegen die Schmerzen half und stellenweise für super lustige Momente sorgte (ich war wie high), irgendwann einfach nur kotzübel. Da der Muttermund einfach nicht aufgehen wollte und ich mit den immer stärker werdenden Wehen kaum mehr zurecht kam, bekam ich gegen 1 Uhr morgens eine PDA. Die Erlösung! Ich hatte mir eigentlich vorher überlegt es ohne PDA versuchen zu wollen, bin jetzt im Nachhinein aber einfach nur froh, mich dann doch dafür entschieden zu haben. Denn ab diesem Zeitpunkt ging plötzlich alles ganz schnell. Der Muttermund öffnete sich nach und nach, ich konnte sogar noch einmal eine halbe Stunde vor mich hin dösen, um Kraft zu sammeln. Domi war sogar so entspannt, dass er neben mir komplett einschlief.

Als es gegen 4 Uhr morgens hieß, dass es nun Zeit sei zu pressen, musste ich erst einmal meinen Mann aufwecken, schließlich sollte er bei der Geburt ja dabei sein. Ich war in diesem Moment so positiv gestimmt, so bereit, mein Baby nun auf die Welt zu bringen, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Angeleitet von dieser wunderbaren Hebamme, die mich im richtigen Moment lobte, mir sagte, wann ich wie pressen sollte und vor allem, wann nicht, die mich aber auch zum richtigen Zeitpunkt ermahnte jetzt bloß nicht aufzugeben, brachte ich um 4.25 Uhr meinen wunderbaren zweiten Sohn Karl Louis zur Welt. Ganz ohne Verletzungen und ohne Arzt, nur die Hebammen, mein Mann und ich.

Der zweite Teil dieses Berichts, ab dem Moment, in dem wir in der Klinik ankamen, mag sehr kurz und knapp erscheinen. Das liegt aber einfach daran, dass ich es genau so empfunden habe. Alles ging dieses Mal so schnell und komplikationslos, nur sechseinhalb Stunden waren wir in der Klinik, bis ich mein gesundes, perfektes Baby in den Armen halten durfte. Ich bin unendlich dankbar dafür. Für diese, ja, fast schon „schöne“ Geburt und dieses wundervolle Kind, das morgen schon ein Jahr alt wird.

9 Kommentare
  1. Veri
    Veri says:

    Ach wie toll. Bei mir war es ganz ähnlich wie bei dir. Die erste Geburt 2015 eine Einleitung mit ner krassen wehenflut, ich total im Delirium. Die zweite Geburt jetzt vor 3 Monaten den ganzen Tag leichte wehen zuhause veratmet und kaum machten wir uns auf den Weg, saß ich schon heulend im Auto und nach 3 std war er dann schon da
    War schön zu lesen, konnte mich total damit identifizieren, Danke fürs teilen Steffi

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  2. Ela
    Ela says:

    Dein Bericht gefällt mir sehr gut, ich finde es toll das du deine Erfahrung mit uns teilst. Ich bin jetzt in der 36+4 und bin auch schon sehr gespannt. Und super das du jetzt noch einen Blog zusätzlich zu Instagram führst. Ich freue mich immer wieder. Nimm dir die zeit die du brauchst, und mach dir nicht so viel Stress ❤

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  3. Tulina
    Tulina says:

    So wunderschön geschrieben. Sitze in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit und schwanger mit dem zweiten Kind und lese diesen tollen Blogeintrag, der mir nach meiner ersten Horrorgeburt wirklich Hoffnung macht, dass es auch deutlich „einfacher“ gehen kann. Dein Schreibstil ist so toll, macht einfach nur Spaß alles zu lesen

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    • Steffi
      Steffi says:

      Ich danke dir für deine lieben Worte. Es war auch ein sehr emotionales Text für mich, von daher freue ich mich besonders, wenn er dir gefallen hat. Ich wünsche dir alles, alles Gute für deine zweite Geburt – sie wird bestimmt super. Viele liebe Grüße

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